Die Rindertrecks im Wilden Westen waren eine risikoreiche Angelegenheit. Oft mussten die Rancher bei dem Vorhaben, die Rinder zu den Käufern zu bringen, schwere Verluste hinnehmen. Texas- und Spanisches Fieber waren ein Grund für die Dezimierung der Tiere. Aber auch Banditen wurden von den Viehherden angelockt, da die Rancher in den ersten Jahren ihr gesamtes Bargeld bei sich hatten. Rinderdiebe, Indianer und Stampeden taten ihr übriges, den Rinderverlust zu erhöhen. Auch trockene Landstriche ohne Wasserstellen, waren schwierige Hürden, die Mensch und Tier nehmen mussten. Einige Rancher kamen auf die Idee, ihre Herde per Schiff auf dem Mississippi zu transportieren. Der Misserfolg war hier aber noch größer, als beim Transport über Land, da die Tiere hier noch schneller krank wurden und die Frachtkosten zu hoch waren. Es gab aber auch Männer, die durch ihren Wagemut und ihrer Zielstrebigkeit bewiesen haben, dass auch die oben genannten Hindernisse zu meistern waren. Diese Männer wurden durch ihre erfolgreichen Trecks bekannte und berühmte Rinderbarone.

Durch den amerikanischen Bürgerkrieg enstand im Norden Amerikas eine große Hungersnot. Im Süden jedoch wuchsen die Rinderherden durch die nachfolgenden Rinderbarone beträchtlich an. Der erste, der den Mut aufbrachte, eine riesige Rinderherde von Texas aus, in den Norden zu treiben, war John Simpson Chisum.

Bevor Chisum in das Rindergeschäft einstieg, war er Bauunternehmer. Im Jahre 1854 kaufte er jedoch seine ersten Rinder, die er nach Louisiana John Chisum trieb, und 1857 errichtete er seine erste Ranch im Denton County in Texas. Diese musste er aber bald aufgeben, da immer mehr Siedler in das Land kamen, die nach dem "Heimstättengesetz" einen Anspruch auf ein Stückchen Land hatten. Chisum ritt daraufhin in den Westen, um neues Weideland zu suche, was er dann auch in den Präriegebieten fand. Obwohl diese Gebiete von Indianern besetzt waren und sich daraus eine ständige Bedrohung für Chisum ergab, errichtete er eine Ranch am Rio Concho. Und tatsächlich dauerte es auch nicht lange, bis seine Ranch von Comanchen und Kiowas angegriffen wurden. Chisum konnte sich aber jedes mal erfolgreich gegen die Indianer verteidigen. Überlebende Indianer, die fliehen konnten, mussten dann aus der Ferne mit ansehen, wie Chisum ihre toten Kameraden an Bäume aufhing. Auch mit mexikanischen Banditen, die ihm seine Pferde stahlen, verfuhr er so. Auf diese brutale Weise, wollte er sich bei all seinen Feinden Respekt verschaffen. Bei Kleinranchern, die gelegentlich Rinder stahlen, oder Cowboys, die über die Wintermonate durch Viehdiebstahl ihre Familien ernähren wollten, drückte er allerdings beide Augen zu. Nachdem er mit einem New Yorker Finanzier eine Partnerschaft einging, bezog er eine Rinderherde in Osttexas, die er dann nach Westen trieb. Für diese Herde benötigte Chisum viel Platz. Daher ließ er eine große Zahl von Büffel und Wildpferde in diesem Gebiet abschießen, was die Feindschaft mit den Indianern noch vergrößerte.

 

Nachdem der Krieg in New Mexiko zwischen der US-Armee und den Indianern beendet war, mussten 7000 Charles Goodnight indianische Gefangene, die in eine Reservation bei Fort Summer untergebracht wurden, ernährt werden. Auch die Soldaten waren dankbare Abnehmer. Hier sah Chisum das große Geschäft. Mit 10 Männern und 600 Rindern machte er sich auf nach Fort Summer. Dabei trieb er das Vieh quer durch die Staked Plains - eine trockene, öde Gegend, ohne Wasserstellen - zum Rio Pecos. Allerdings hatten bereits Charles Goodnight und Oliver Loving diese Route benutzt und an ihrem Ziel ein gutes Geschäft gemacht, so dass Chisum auf seinen Rindern sitzen blieb. Dennoch bekam er für das darauffolgende Jahr einen Vertrag für die Lieferung von 7000 Rindern. Diesen Vertrag erfüllte er, indem er immer wieder kleinere Herden von seinem Hauptquartier, das er "Bosque Grande" nannte, zum Rio Pecos trieb. Dabei wandte er eine Taktik an, die "Run and Walk" genannt wurde. Um die trockene Route zu überwinden, ließ er seine Rinder im Rio Concho tränken. Anschließend wurde die Herde dann in der Nacht zum Laufen angetrieben. Nach ca. drei Stunden wechselte der Lauf in einen Marsch.

Das wiederholte sich dann noch einmal bis zum Mittag des nächsten Tages. Nach einer Ruhepause bis zur nächsten Nacht, wurde die ganze Prozedur noch mal wiederholt. Am nächsten Morgen waren dann nur noch 10 Meilen zu überwinden, wobei das Vieh durch die Witterung des Wassers von selbst zum Rio Pecos eilte.

Durch weitere Geschäfte mit der US-Armee entwickelte sich Chisum zu einem der führenden Rinderbarone. Er führte sein Unternehmen mit strenger, und seiner Ansicht auch gerechter Hand, bis zu dem Tag, an dem Alexander McSween  ein gewisser Lawrence G. Murphy aufJohn Tunstall der Bildfläche erschien. Als Murphy alle Geschäfte mit der US-Armee an sich zog, indem er Politiker und Beamte bestach, Vieh von den umliegenden Ranches - auch von Chisum - stehlen ließ, und gesetzestreue Bürger durch seine Bande einschüchtern ließ, verbündete sich Chisum mit dem Rechtsanwalt Alexander McSween und dem Kleinrancher John H. Tunstall, um gegen seinen Wiedersacher anzugehen. So entstand der berühmet Lincoln County Krieg, der erst durch die Verkündung des Kriegsrechts im Lincoln County und einer Amnsestie zu Gunsten der auf Chisums Seite stehenden Regulatoren - angeführt durch Billi the Kid - beendet wurden. Chisum selber hielt sich während des gesamten Krieges im Hintergrund.

John Simpson Chisum litt seit 1883 an einem Krebsleiden, an dem er am 22 Dezember 1884 starb.